„Das Wahlergebnis hat die demokratischen Parteien vor eine große Herausforderung gestellt“ – nachdenklich, jedoch keineswegs niedergeschlagen äußerten sich die Hockenheimer Jusos auf ihrer ersten Sitzung nach der Bundestagswahl. In Deutschland gibt es im 21. Jahrhundert keine bürgerliche Mehrheit von Union und FDP mehr.
Nach anfänglicher Euphorie über das schlechte Abschneiden der Union muss nun aber ernsthaft anerkannt werden, dass die Wählerinnen und Wähler sich zur Lösung der lähmenden Probleme in der Bundesrepublik eine große Koalition gewünscht haben. Darüber zeigen sich auch die Hockenheimer Jungsozialisten zwar keineswegs begeistert, aber nur ein solches Zweckbündnis besitzt in den Augen der Wählerinnen und Wähler das Durchsetzungsvermögen, weitgehende Strukturreformen durchzuführen. Dazu gehörten neben der Debatte über den deutschen Föderalismus auch Subventionen und Bürokratieabbau. „Dies ist jedoch nur mit einem Koalitionsvertrag möglich, der eine klare sozialdemokratische Handschrift trägt“, sind sich die Jusos einig.
Einen „Treppenwitz der Geschichte“ nannten sie die Tatsache, dass Gerhard Schröder, der als erster Bundeskanzler nach der Wiedervereinigung große Reformvorhaben angepackt und durchgesetzt hatte, nun ausgerechnet durch eine Figur ersetzt werden soll, die acht Jahre lang im Kabinett Kohl – wenn überhaupt – nur durch ihre Frisur aufgefallen war. „Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben“, zeigte man sich optimistisch, was das zukünftige Regierungsoberhaupt betrifft. Ein zweiter Wermutstropfen plagte die Jusos: der Ausgang im Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen.
Zwar war man sich über die Wählerstrukturen im Spargelwahlkreis natürlich im Klaren, hätte sich aber durchaus ein besseres Ergebnis für Stefan Rebmann gewünscht, da dieser genau die Eigenschaften verkörpert, die sich die Menschen sonst von einem Politiker wünschen. Man war sich unter den Jungsozialisten jedoch einig, dass dieses Ergebnis vor allem auf dem geringen Bekanntheitsgrad des Kandidaten und dem kurzen Wahlkampf beruhte. Erleichtert nahm man die Erklärung von Rebmann auf, auch bei der nächsten Wahl antreten zu wollen. Ziel ist es dann, durch einen Listenplatz abgesichert zu sein. Dazu wollen auch die Jusos innerparteilich ihren Beitrag leisten.
Neben der Wahl war die Sitzung auch einem weiteren Thema gewidmet. Den Jusos waren bei ihrer Wahlkreis-Tour auf dem Rheindamm zwischen Ketsch und Altlußheim große Mengen von asbesthaltigen Eternitplatten auf dem Gelände der Firma MVG aufgefallen. Diese sind zum Großteil unter Dammhöhe und somit im Überschwemmungsgebiet des Rheins gelagert. Bei einer entsprechenden Recherche erfuhren die Jusos, dass sich der BUND bereits vor über einem Jahr mit der Verbrennungsanlage der MVG beschäftigen musste. Anwohner hätten Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz um deren Mithilfe gebeten, weil beim Betrieb der Anlage eine unerträgliche Belastung der Anwohner im Siegelhain durch ätzende Gerüche entstand. Auch die Landtagsabgeordnete Rosa Grünstein griff das Thema daraufhin auf und konsultierte das zuständige Landesumweltministerium.
Da die Anlage derzeit offenbar nicht betrieben wird, ist die Geruchsproblematik zwar nicht akut, dennoch bleibt die Frage der unsachgemäßen Lagerung solch giftiger Stoffe und derer Verbrennungsrückstände für die Jusos ungeklärt. Daher wünscht man sich von den verantwortlichen Stellen eine diesbezügliche Stellungnahme.